SeLA – Selbstbestimmt Leben und Arbeiten – ist eine Anlaufstelle für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, sowie für ihre Unterstützer*innen, Freund*innen und Angehörige. Die Beratungsstelle gehört zum Verein Frauen helfen Frauen Rostock e.V. und richtet sich an alle, die rund um das Thema Sexarbeit Fragen haben, Unterstützung suchen oder sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen möchten.
Beratungsangebote und Zielsetzung von SeLA
Alle Beratungsangebote von SeLA sind anonym, freiwillig und kostenfrei. Die Beratung erfolgt parteilich und mit Respekt für unterschiedlichste Lebensentwürfe. Ziel der Arbeit ist es, Vorurteile gegenüber Sexarbeiter*innen abzubauen und ihre Arbeits- und Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Um das zu erreichen, arbeitet SeLA eng mit anderen Professionen zusammen. Dazu gehören kollegiale Beratung, Fortbildung und Prävention rund um das Thema Sexarbeit – etwa für soziale Dienste, Gesundheitsämter, Polizei und Verwaltung. Auch praktische Fragen finden in der Beratung Platz. Wer für einen Termin oder eine Fortbildung von außerhalb nach Rostock anreist, findet mit der Pension an der Werft in Rostock eine unkomplizierte Übernachtungsmöglichkeit.
Manchmal reisen auch Begleitpersonen oder Unterstützer*innen mit an, die bei Terminen Beistand leisten. Für gemeinsame oder längere Aufenthalte in der Hansestadt bietet sich die Pension zum Alten Strom in Rostock als persönlich geführte Unterkunft an.
Selbstbestimmung in der Sexarbeit
Sexarbeit ist für SeLA eine freiwillig erbrachte sexuelle Dienstleistung, die einen einvernehmlichen Vertrag zwischen zwei erwachsenen Geschäftspartner*innen voraussetzt. Ohne dieses Einvernehmen handelt es sich nicht um Sexarbeit, sondern um erzwungene Sexualität. SeLA unterscheidet deshalb klar zwischen Menschenhandel und Gewalt einerseits und freiwilliger Sexarbeit andererseits.
Sexarbeit muss als soziale Realität wahrgenommen und als Arbeit anerkannt werden. Sexarbeiter*innen haben das Recht, ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten. Dazu gehört auch die freie Wahl des Arbeits- und Aufenthaltsorts. Manche arbeiten mobil und reisen zwischen verschiedenen Städten in Mecklenburg-Vorpommern. Übernachtungsmöglichkeiten in Schwerin und günstige Hotels in Wismar erleichtern es, Termine und Übernachtungen selbst zu organisieren.
Selbstbestimmung bedeutet ebenso, sich bewusst Rückzugsräume zu schaffen. Nach einem Arbeitstag oder einer Dienstreise ist es wichtig, gut anzukommen. Die Ostseeküste bietet dafür viele Möglichkeiten: Unterkünfte in Graal-Müritz und Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel Poel sind Beispiele für entspannte Übernachtungen in der Region.
Darüber hinaus gehören rechtliche Fragen zur Selbstbestimmung. SeLA informiert im Rahmen der Beratung auch über das Prostituiertenschutzgesetz, etwa über die damit verbundenen Rechte und Pflichten bei Anmeldung und Gesundheitsberatung.
Mediale Darstellung und gesellschaftliche Wahrnehmung
Prostitution, Sexarbeit, horizontales Gewerbe – kaum eine andere Branche ist so stark von Klischees, Stereotypen und Ressentiments geprägt. In den Medien, vor allem im Boulevard, spielen im Diskurs um Sexarbeit in der Regel ausschließlich Zwangsprostituierte, drogenabhängige oder missbrauchte Sexarbeiterinnen eine Rolle. Dabei werden Sexarbeiterinnen nahezu immer als Opfer dargestellt.
Dass es darüber hinaus auch andere Erfahrungen gibt, zeigt der Film Sexarbeiterin von Sobo Swobodnik. Er begleitet die studierte Informatikerin und Berliner Sexarbeiterin Lena Morgenroth über mehrere Monate hinweg durch ihr Leben – bei der Arbeit, im „ganz normalen“ Alltag, im Kontext von Familie, Freundschaft und Partnerschaft, als Teil der erstarkenden politischen Bewegung selbstbestimmter Sexarbeiter_innen.
Gerade diese Alltäglichkeit macht das Porträt so wertvoll. Es zeigt, dass Sexarbeiterinnen ein Leben führen wie andere Menschen auch – mit Routinen, Reisen, Freundschaften und Übernachtungen an anderen Orten. Wer auf einer Durchreise in der Region übernachten möchte, findet zum Beispiel in der Pension Elmenhorst in Elmenhorst/Lichtenhagen eine unkomplizierte Unterkunft. SeLA möchte mit solchen Alltagsperspektiven dazu beitragen, einseitige Bilder zu korrigieren und Sexarbeit als das anzuerkennen, was sie ist: Arbeit.
professionelle Beratungsangebote und soziale Unterstützung in Rostock
Engagement für Frauenrechte und soziale Teilhabe
kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Klischees und Medien